zurück

 


Beiträge zur Umweltmedizin

Geleitwort der Herausgeber
W
ir freuen uns sehr, dass Sie dieses Buch zur Umweltmedizin in den Händen halten. Es soll dazu anregen, sich kritisch mit umweltmedizinischen Fragestellungen auseinander zu setzen. Manche Themenbereiche der Umweltmedizin, wie zum Beispiel Amalgam oder Elektrosmog, werden in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert, oft gibt es in der Fachwelt keinen Konsens über die Bedeutung und das Ausmaß eines umweltmedizinischen Problemfeldes. Als Herausgeber möchten wir Ihre Meinungsbildung nicht durch den Abdruck eines einzelnen Artikels zu einem strittigen Thema beeinflussen. Vielmehr soll das Buch durch die Auswahl verschiedener Themenschwerpunkte und kontroverse oder sich ergänzende Artikel eine Hilfestellung bei der Standortbestimmung bieten.
Auch für uns ist in einigen Gebieten der Umweltmedizin das tatsächliche Ausmaß des Schädigungspotentials von Schadstoffen teilweise nur als ein vermuteter Wert zwischen einer optimalen und einer pessimistischen Abschätzung erkennbar. Trotz dieser Unschärfe in der Erkenntnis resultiert aus der derzeitigen Einschätzung umweltmedizinischer Problembereiche die Notwendigkeit, Handlungen zu fordern und einzuleiten.
Die Einwirkung des Menschen auf seine Umwelt durch die zunehmende Technisierung und der sich daraus ergebende Eintrag von Schadstoffen in Luft, Wasser, Boden und Nahrung sind Themengebiete der Umweltmedizin.
Als Endpunkte betrachten wir die erkennbaren Folgen und Risiken für die Gesundheit der Menschen aus dem Blickwinkel eines bio-psychosozialen Krankheits- und Gesundheitsverständnisses. Individualmedizinisch versucht die Umweltmedizin, die Gesundheitsschäden durch Umwelteinflüsse zu erkennen (Diagnostik) und wenn möglich zu beheben (Therapie). Dies ist bei dem derzeitigen Erkenntnisstand nur bei einigen Schadstoffbereichen möglich und entspricht einer "end of pipe" Denkweise. Hingegen steht der Gedanke, nach der Erkennung eines Schädigungspotentials dieses primär zu beseitigen, also den Eintrag in die Umwelt zu beenden, für die präventivmedizinische Ausrichtung der Umweltmedizin. Hier gibt es bereits heute umfangreiches Wissen über den großen Einfluss der Umwelt auf gesundheitliche Faktoren, auch der sich daraus ergebende Handlungsbedarf ist bekannt. Nur werden die erforderlichen Maßnahmen auf gesellschaftlich-politischer Ebene oft nicht vollzogen. Umweltmedizin hat damit auch eine politische Dimension, der wir uns mit diesem Handbuch stellen wollen. Sie ist Medizin im Sinne von Virchow, sozial verantwortlich und politisch denkend.
Amalgam war und ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Die Untersuchung der Tübinger Forschungsgruppe zum Quecksilbergehalt im Speichel zeigt die Bedeutung der Amalgamfüllungen als Hauptbelastungsquelle für Quecksilber auf. Diese Studie wird exemplarisch von Herrmann und Schweinsberg kritisch diskutiert. Drasch weist in seinem Artikel auf die - auch bereits im frühen Kindesalter stattfindende - Belastung der Organsysteme durch Amalgam hin. Eine bislang in ihrer Bedeutung unterschätzte Belastung aus zahnheilkundlicher Sicht wird in der Arbeit von Erdinger dargestellt.
Elektrische und magnetische Felder haben in den letzten Jahren als mögliche Ursache von Gesundheitsgefährdungen zunehmend an Bedeutung gewonnnen. Mit der Arbeit von Frentzel-Beyme wird eine epidemiologische Arbeit zum Thema vorgestellt.
Risiko, Angst und Umweltpsychosomatik ist ein weiterer Themenschwerpunkt des Buches. Tretter weist mit Nachdruck auf die Bedeutung der Risikodiskussion in bezug auf umweltmedizinische Fragestellungen hin. Die schwierige Frage von Angst- oder Umwelterkrankung wird von Suchenwirth in pragmatischer Art geschildert. Als Beispiel für eine Risikoabschätzung steht die Arbeit von Mersch-Sundermann zum Risiko durch Ernährung.
Entstanden ist dieses Buch auf Anregung ökologisch-medizinisch-wissenschaftlicher Verbände, der IGUMED (Interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin) und des ÖÄB (Ökologischen Ärztebund), die uns als Herausgeber gebeten haben, dieses Buch zu betreuen. Im Mabuse-Verlag haben wir einen geduldigen und verständnisvollen Partner gefunden, der die Verwirklichung dieses Buchprojektes durch seine aktive Unterstützung erst ermöglicht hat. Insbesondere das stete Engagement von Karin Griese und Hermann Löffler verdient besonderen Dank. Die Artikel für das Buch sind teilweise Erstveröffentlichungen bzw. Nachdrucke bereits erschienener Arbeiten. Den Autoren und Verlagen danken wir für Ihre Mitarbeit.

Dr. med. Volker Mersch-Sundermann
Klinikum Mannheim
Postfach 10 00 23
68135 Mannheim

Dr. med. Stephan Böse-O'Reilly
Lindenschmittstr. 35
81371 München

zum Seitenanfang